unter Regattasport

Die DickeBank mit Paul und Wolfgang Doczyck bei der ersten Regatta 2020 – Ein Bericht vom Segeln!

Am Sonntag um 20:06 überqueren wir vor Strande die Ziellinie

– 530 sm im Kielwasser

– 78 Stunden waren seit dem Startschuss zur Baltic500 vergangen.

Von 27 ORC vermessenen Booten reicht das für den 10. Platz.

Wir sind zufrieden.

Im Hafen in eine leere Box und das wars. In Corona Zeiten kann man nicht mehr erwarten. Schon fast ein Wunder, dass diese Regatta wie geplant stattgefunden hat.

Erst am 11.05. – also 10 Tage vor dem Start – hat es eine Ausnahmegenehmigung von der Landesregierung Schleswig-Holstein gegeben. Bis dahin war von mir noch mit einer Absage gerechnet worden. Die dänischen Behörden haben sich dann erst Montags – 3 Tage vor dem Start – mit einem Verbot für die Durchfahrt durch dänische Gewässer gemeldet.

Ein Anwalt des Veranstalters hatte daraufhin die dänischen Behörden um einen Hinweis auf die rechtlichen Grundlagen der Entscheidung gebeten. Mittwochs kam dann völlig unerwartet die Erlaubnis – es gab keine rechtliche Grundlage für das Verbot. Das ungläubige Kopfschütteln war bei mir kurz und heftig – weil mich sofort die Freude übermannte.

Eine Offshore Regatta nur zu Zweit – das Format hatte mich gereizt. Ich dachte mir, es müsste eigentlich weitgehend dem entsprechen, was ich schon immer mache, wenn ich mit meiner Frau unterwegs war. Ich manage alles Wesentliche mit dem Segeln und Barbara übernimmt die Wache, wenn ich mal schlafen muss. Mit meinem Sohn Paul habe ich es mir dann noch einmal leichter vorgestellt, weil er mich ja noch mehr entlasten wird.

Naja, ist schon erstaunlich was man sich im Winter – es wurde am 24.12.2019 gemeldet – alles so vorstellt…….. hätte ich mich an unseren Sommerurlaub 2012 und die 220 sm Göteburg/Kiel erinnert…… – die Ostsee hat so ihre eigenen Herausforderungen.

Die Baltic500 heißt zwar „Offshore“, ist es aber eigentlich nicht – jedenfalls nicht so wie ich bisher Offshore kennengelernt habe. Bis zum Ausgang des Öresunds bei Helsingborg ist eigentlich immer was im Weg – Inseln, Bojen, Verkehrstrennungsgebiete, Fähren und Schiffe aller Art. Dann kommen zwar 80 sm freie See bis Laesö – wenn man mal großzügig von Anholt nach 40 sm absieht – und nach der Rundung von Laesö wieder gut 40 sm bis zur Höhe Grena. Aber dann hat man schon wieder jede Menge Hindernisse vor dem Bug – Inseln, Bojen, Verkehrstrennungsgebiete, Fähren, Schiffe aller Art und Brücken.

„Immer was im Weg“ heißt ja eigentlich viel aufpassen, laufend müssen Entscheidungen getroffen werden – links rum, rechts rum – was macht der Andere, was ist hier erlaubt und da nicht. Und dann gibt es in der Ostsee an fast allen Stellen irgendwie Strömung und meistens aus anderen Richtungen und Stärke als vom BSH vorhergesagt. Alles eigentlich nicht so wild – aber wir haben ja Regatta und da will man es ja besser machen als die Anderen. Apropo Regatta- das mit den Segelwechseln kam auch noch dazu. Unseren nagelneuen Code Zero haben wir vor Laesö zerlegt – war wohl doch zu viel Wind und Welle für das große Ding. Aber was meinte Paul – wenigstens ein Segel weniger, das gewechselt werden kann.

Ach ja und laufend Wetterberichte, die ausgewertet werden wollten – wegen dem schnell-sein -wollen. Zur Ruhe gekommen bin ich eigentlich erst auf dem Stück von Laesö nach Grena. Wir waren hoch am Wind, es waren konstant 20-25 kn – da gab es nur eine Segelkombination – es lief. Und dann kam da auch das besondere Gefühl hierhin zu gehören, genau hierhin. Die 50 Stunden mit wenig Schlaf bringen einen dann auch in eine Verfassung, die mich einfach genießen lässt – ohne Gedanken – einfach nur fühlen – hier sein ist toll!

Die Ostsee war sehr anspruchsvoll – ganz anders als Nordsee oder Atlantik – aber eben sehr anspruchsvoll. Zudem war die Vorbereitung für eine so lange Regatta von uns auch nur sehr mäßig. Das zeigte sich an wenig Revierkenntnis und einem nur mäßig vorbereiteten Boot. Irgendwas mit den Antennen war nicht o.k. –  AIS und Funk nur mäßig gut. Die Pumpe der Toilette streikte, verstopfte Dieselfilter nach der Dieselpest, gerissene Softschäkel, der gerissene Code Zero – erstmals hatte ich eine latente Sorge, eine Regatta vielleicht nicht zu Ende segeln zu können. Aber es hat ja geklappt – 10 andere Yachten mussten aufgeben.

Erstaunlich wie gut Paul und ich uns verstanden haben, kein Streit, kein böses Wort. Beide haben wir diszipliniert unsere Arbeit gemacht. Nicht gemeckert, wenn man gerade im Bett war und es hieß „ all hands on deck“. Unsere Zweifel, an dem was wir da gerade machen (warum tue ich mir das an?), hat jeder für sich behalten. Nur kurz vorm Ziel war Paul mal genervt von mir – weil ich so aufgeregt war.

Was soll ich sagen  – es war extrem anstrengend – viel anstrengender als gedacht! 530 sm non stop zu zweit ist in diesem Revier echt der Hammer – und dann dabei noch schnell segeln wollen.

So eine Regatta noch mal? Also jetzt würde ich sagen: Nein – aber wer weiß, was im Winter wieder passiert und ich mich nur noch an das Gefühl auf dem Weg von Laesö nach Grena erinnere…

Wolfgang Doczyck

 

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