unter Fahrtensegeln

Es sprach eigentlich alles gegen unseren Familienurlaub! Geplant war ein Segeltörn um Mallorca mit den Fahrtenseglern des Duisburger Yachtclubs. Schon zeitig im Januar 20 haben wir die Yachten gebucht, auch die Flüge standen im Februar fest. Alles im Griff! Bis dann Corona kam! Mallorca wurde zum Risikogebiet erklärt, die beiden anderen Boote sagten den Törn ab. Zu groß der Aufwand und Unsicherheit in Sachen Quarantäne usw.. Dann wurden die Flüge verschoben und schließlich nach Hamburg verlegt. Aber wir blieben hartnäckig. Wir, das waren Ellen, Yvonne, Daniel und ich, Heinz, die den Törn trotz aller Widrigkeiten durchziehen wollten und das dann auch taten.

Am Donnerstag, 08.10.20, um 09.55 Uhr sollte unsere Eurowings Maschine ab Hamburg starten. Das hieß für uns, 02,00 Uhr aufstehen, mit dem Zug nach Hamburg. Ankunft 06:51 Uhr, ab in die S-Bahn zum Airport – und, der Flug fand statt! Die erste Hürde war genommen und wir kamen gegen 14 Uhr im Yachthafen Naviera Balear in Palma an. Dort wartete schon unsere Amaluna, eine 41 Fuss Bavaria Cruiser Baujahr 2015. Nach der Schiffsübergabe, Klamotten verstauen, Boot kennenlernen, einkaufen gehen. Der übliche Stress am ersten Tag. Im Hard Rock Cafe von Mallorca haben wir dann abends noch eine Kleinigkeit gegessen und einen Hauch Urlaub verspürt.  Müde, aber glücklich gingen wir schlafen und freuten uns auf den nächsten Tag.

Freitag, 09.10.20 – von Palma nach Andratx – 23,6sm

Die Sonne scheint, das Wetter ist sommerlich. Nach dem Frühstück ist eine Sicherheits-einweisung angesagt. Daniel und Yvonne haben zwar gerade ihren SBF Binnen bestanden, waren aber noch nie auf einem Dickschiff. Ellen ist neben mir also die einzige, die Segel-erfahrung auf einer Fahrtenyacht hat. Das wird interessant.
Um 10:30 Uhr heißt es, „Leinen los“. Sauber aus der Box und der Törn beginnt. Wir durchqueren die Bucht von Palma Richtung Süden unter Motor, da wenig Wind angesagt ist. Wir steuern für eine erste Pause die Bucht Cala Figueraan und machen den Anker klar. Die unerfahrene Crew stellt sich geschickt an und das Manöver klappt problemlos. Badeplattform runter und der Skipper springt ins kühle Nass. Plötzlich wird es heiß! Heinz wird von Quallen in den Unterarm gebissen! Das muss nicht sein. Anker auf und wir laufen eine halbe Seemeile zurück in die Bucht Portals Vells. Die vielen Ankerlieger bestätigen, dass wir hier besser liegen. Also zweites Ankermanöver und jetzt können alle das kühle Nass genießen.

Gegen 18.00 Uhr erreichen wir unser Tagesziel Port Andratx. Kurz vor dem Einlaufen funken wir den Hafen an. Das ist auf Mallorca so üblich und funktioniert auch. Wir bekommen einen Liegeplatz. Römisch-katholisch an der Mole, Einweisung der Crew ins Manöver, alles funktioniert! Zur Feier des Tages gehen wir Essen und finden ein nettes Lokal. Der Start ist gelungen, so kann es weitergehen.

Samstag, 10.10.20 – von Andratx nach Soller – 26,7sm

Nach einer ruhigen Nacht laufen wir gegen 10 Uhr in Richtung Norden mit dem Ziel Port Soller aus. Wir wollen in der Bucht von San Telmo eine Frühstückspause einlegen. Wir gehen unter Motor, da auch heute kein Wind zum Segeln ist. San Telmo ist schnell erreicht und wir frühstücken ausgiebig. Weiter geht’s an der Nordwest-Küste von Mallorca Richtung Soller. Kurz vor Soller gibt es noch eine schöne kleine Badebucht, Cala de Deya, die wir als zweiten Badestop anlaufen. So schön kann Urlaub sein, nur der Wind fehlt noch. Die restlichen 4sm sind schnell gefahren und wir laufen in Soller ein. Ein Marinero wartet und wir liegen gut und fest an der Mole. Und das sollte sich als vorteilhaft erweisen. Gegen 0 Uhr in der Nacht heult der Wind und schlagen die Falle gegen den Mast. Ein Sturm geht über den Hafen Soller und bringt die Schiffe kräftig in Bewegung. Gute Nacht.

Sonntag, 11.11.20 – von Soller nach Pollenca – 10sm

36sm liegen heute vor uns, der längste Schlag, der uns in die Bucht von Formentor bringen soll. Ziel ist entweder die Bucht Cala Pi de la Posada oder der Hafen von Pollenca, je nach Wetterlage. 09.30 Uhr legen wir ab. Die Crew hat mittlerweile schon Routine entwickelt und die Hafenmanöver funktionieren ausgezeichnet. Wir verlassen den Hafen und in der Bucht steht schon eine mäßige Welle. Der Himmel ist bewölkt, Regenwolken stehen am Horizont.

Draußen nehmen die Wellentäler zu. Wir nehmen Kurs auf Cap Formentor. Gegen halb elf setzt Regen ein. Die Wellen haben eine Höhe von 2 Meter und mehr erreicht. Der einsetzende Wind peitscht den Regen waagerecht durch das Cockpit. Längst haben wir die Westen und Lifebelts angelegt. Die Crew erweist sich als seetauglich und hält sich tapfer. Wir stampfen gegen die Welle, die Sicht verschlechtert sich minütlich. 5 Stunden bei den Verhältnissen gegen an, oder 1 Stunde zurück und Hafentag? Die Entscheidung ist schnell getroffen und wir drehen ab, surfen auf den Wellen zurück nach Soller. Alle sind erleichtert und freuen sich – auch Skipper Heinz.

Montag, 12.10.20 – von Soller nach Pollenca – 37,4sm

Der Marinero von Soller empfiehlt uns erst am Nachmittag auszulaufen, oder noch einen Hafentag einzulegen. Das Wetter ist heute zwar wieder freundlich und sonnig, aber die Wellen mit 2-3 Meter sind immer noch da! Wir beratschlagen uns. Rund Mallorca abbrechen und nach Andratx zurücklaufen oder Augen zu und durch? Da auch der Rückweg nach Andratx das „Wellenproblem“ hat, beschließen wir weiter nach Norden zu gehen. Auf keinen Fall wollen wir noch eine Nacht im Schwell von Soller verbringen. 10:30 Uhr ist auslaufen angesagt – Kurs Nord, Richtung Cap Formentor. Die Wellen sind hoch und auch der Wind ist gegen uns. An Segelsetzen ist nicht zu denken. Wir schlagen mit dem Bug in die Wellentäler ein oder die Wellen durchlaufen unsere Amaluna unangenehm unter dem Kiel.

Yvonne und Daniel übernehmen das Steuer und haben einen Riesenspaß sich Stunde für Stunde mit den Wellen auseinanderzusetzen. Unglaublich mit welchem Geschick diese beiden Anfänger die 41 Fuss um das Kap Formentor steuern. Respekt für diese Leistung.

Um 17.30 Uhr erreichen wir Pollenca und machen längsseits an der geschützten Außenmole fest. Langsam sollte es besser werden.

Dienstag, 13.10.20 – von Pollenca nach Cala Ratjada – 27,6sm

Pollenca liegt tief in der Bucht von Formentor und hat einen großen Hafen. Wir starten zeitig um 09:30 Uhr und wollen in der Bucht Cala Pi de la Posada vor Anker gehen und frühstücken. Es erwartet uns nicht nur eine geräumige Bucht, sondern auch Fallwinde von 28-35 kts. Wind. Nichts wie raus, Frühstück fällt aus. Wir nehmen Kurs auf Cap des Freu, dem nordöstlichen Zipfel von Mallorca. Endlich können wir auch die Segel setzen. Wir haben raumen bis achterlichen Wind und flügen Meile um Meile das Mittelmeer um. Schmetterling ist angesagt. Nach Anfangs frischen Winden von 15-18 kts. schläft der Wind nach und nach ein und wir erreichen Cala Ratjada unter Motor. Auch Cala Ratjada hat viel Platz für Gäste und wir liegen wieder längsseits an der Mole. Heute essen wir an Bord. Es gibt Schnitzel mit den weltbesten Bratkartoffeln von Daniel.

 

Mittwoch, 14.10.20 – von Cala Ratjada nach Portocolom – 24sm

Um 06:00 Uhr morgens ging es los. Stürmische Winde knallten aus Nord durch den Hafen und brachten starke Niederschläge mit. Wir haben halt Oktober, auch auf Mallorca. Wir starteten daher später, um bessere Wetterbedingungen abzuwarten. Um 11:30 Uhr machen wir den Ableger, bei dunklen Gewitterwolken und frischem Wind. Genua raus! Der Wettergott kannte jedoch keine Gnade. Nach anfänglichen15-20 kts. Wind und mäßiger Welle steigerte sich das Szenario auf die nunmehr bekannten 2 Meter Welle und Windböen bis 30 kts.. Gut das wir nur die Genua gesetzt hatten. Nach einer Stunde „ausgiebigem Duschen“ verließen uns nicht nur die Regenschauer, die uns zwischenzeitlich heimsuchten, sondern auch so nach und nach der Wind. Schnell setzen wir noch das Groß, um den Speed beizubehalten.

Umsonst, bei 2 kts. Geschwindigkeit gingen wir die restlichen Meilen unter Motor nach Portocolom. Das Wetter war zwar wieder teilweise heftig, alles in allem aber ein spannender Segeltag.

Donnerstag, 15.10.20 – von Portocolom nach Cala PI – 35,9sm

„Wir wollen mal richtig segeln, so mit Wenden und Halsen und so.“ „Nur einfach Segel setzen und nach Ankunft runter nehmen macht kein Spaß“. Meine jungen Wilden an Bord proben den Aufstand. Also verlassen wir Portocolom pünktlich um 10 Uhr. Am Ausgang der Bucht stehen 10-13 kts. Wind auf der Logge, also nicht viel. Wir nehmen Kurs auf die See, wo wir mehr Wind erwarten. Und so ist es! 15-18 kts. Wind unter Vollzeug. Heute ist segeln angesagt! Je weiter wir südlich kommen, desto stärker wird der Wind und gewinnen die Wellen an Höhe. Die Insel Cabrera ist in Sicht und wir kreuzen vor dem Cap de Ses Salines um wieder in Landnähe zu kommen. Jetzt kommen auch Yvonne und Daniel auf ihre Kosten. Ich jage sie von einer Wende in die andere. Das ist umso fordernder, als das mittlerweile Windböen bis 29 kts. herrschen und die Welle 2 Meter erreicht hat. Wir gehen um das Cap de Ses Salines und wechseln damit auch auf einen westlichem Kurs. Der Kurs passt nicht mehr zum Wind und wir erreichen die kleine geschützte Bucht Cala Pi unter Motor. Denn heute muss es mal eine Bucht und kein Hafen sein. Und das Dingi müssen wir auch noch ausprobieren!

Freitag, 16.10.20 – von Cala Pi nach Palma – 20,1sm

Heute ist der letzte Tag. Wir haben eine ruhige Nacht in der Bucht Cala Pi verbracht. Nach dem Frühstück erkunden wir die Bucht und fahren mit dem Dingi an Land. Man kann zu Fuß an den Felswänden der Bucht entlang laufen. Ein schöner Spaziergang. Gegen Mittag holen wir zum letzten Mal den Anker auf, die letzte Etappe wartet. Mit Sonnenschein und blauem Himmel bei moderaten Winden von 16 kts. segeln wir gen Palma. Ein kurzer Badestop noch in der Bucht Cala Vella, die eigentlich keine Bucht ist, und weiter in Richtung Palma. Wir erreichen Palma pünktlich um 17:30 Uhr. Anlegen an der Tankstelle, eine kurze Fahrt zu unserem Liegeplatz, der Marinero wartet schon, ein perfekter Anleger römisch-katholisch und das war´s!

Heinz Andrae

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